Rider Waite tarot deck cards

Geschichte des Tarot: Bedeutung und Symbolik

Die Faszination des Tarot: Eine Reise durch Geschichte, Bedeutung und tiefste Symbolik

Das Tarot ist weit mehr als ein Kartensatz zur Zukunftsdeutung. Es ist ein Spiegel der menschlichen Erfahrung, ein Archiv universeller Archetypen und ein faszinierendes Stück europäischer Kulturgeschichte. Seit Jahrhunderten inspiriert das Deck aus 78 Karten Künstler, Philosophen und Suchende gleichermaßen.

Begeben Sie sich mit uns auf eine Reise zu den Ursprüngen des Tarot, entschlüsseln Sie seine historische Entwicklung und tauchen Sie ein in die vielschichtige Welt seiner Symbolik.


1. Die Historischen Ursprünge: Vom Spiel zum Orakel

Bevor das Tarot zu einem esoterischen Werkzeug wurde, hatte es einen viel profaneren Zweck: Es war ein Kartenspiel für die High Society.

Geboren in der Renaissance (15. Jahrhundert)

Die meisten seriösen historischen Quellen verorten die Entstehung des Tarot in der italienischen Renaissance. Um 1420 tauchten in Norditalien, insbesondere in Mailand und Venedig, die ersten Decks auf, die als Carte da Trionfi (Triumphkarten) oder später Tarocchi bekannt wurden.

Wichtige Fakten:

  1. Spielkarten: Die ursprünglichen Karten waren Erweiterungen der normalen Spielkarten. Sie enthielten vier Farben (Kelche, Schwerter, Münzen, Stäbe) sowie eine Reihe von zusätzlichen, allegorischen Trumpfkarten (den späteren Großen Arkana).
  2. Luxusgüter: Die frühesten erhaltenen Decks, wie das berühmte Visconti-Sforza-Tarot, wurden handbemalt und waren teure Geschenke für Adelige. Sie dienten ausschließlich dem Spiel und der Unterhaltung.

Die Mythen um Ägypten und die Kabbala

Im 18. Jahrhundert begann die mystische Umdeutung des Tarot. Der französische Okkultist Antoine Court de Gébelin behauptete fälschlicherweise, das Tarot stamme ursprünglich aus dem alten Ägypten und sei in Wahrheit das Buch Thoth (ein angeblich geheimes Wissenswerk).

Obwohl diese Theorie historisch nicht haltbar ist, prägte sie das esoterische Verständnis des Tarot nachhaltig und führte zur Verknüpfung mit der jüdischen Kabbala – eine Verbindung, die von Gelehrten wie Eliphas Lévi im 19. Jahrhundert stark popularisiert wurde.


2. Die Wandlung zur Weissagung

Die Nutzung des Tarot zur Divination (Weissagung) ist relativ jung. Erst im späten 18. Jahrhundert begannen französische Wahrsagerinnen, die Karten in Lesezirkeln zu verwenden, um Fragen zu beantworten.

Der Einfluss des Rider-Waite-Smith Decks

Die größte Revolution in der Tarot-Welt erfolgte 1909 mit der Veröffentlichung des Rider-Waite-Smith (RWS) Decks.

Der Okkultist Arthur Edward Waite und die Künstlerin Pamela Colman Smith schufen ein Deck, das sich grundlegend von seinen Vorgängern unterschied:

  • Illustrierte Kleine Arkana: Im Gegensatz zu traditionellen Decks (z.B. dem Marseiller Tarot), deren Kleine Arkana nur die Anzahl der Symbole zeigte (z.B. fünf Kelche), illustrierte Smith jede einzelne Karte der Kleinen Arkana mit einer Szene.
  • Intuitives Lesen: Dies ermöglichte es Lesern, die Bedeutung einer Karte intuitiv zu erfassen, ohne komplexe esoterische Tabellen auswendig lernen zu müssen.

Das RWS-Deck und seine zahllosen Ableitungen sind heute der weltweite Standard.


3. Die Architektur des Tarot: Aufbau und Bedeutung

Ein komplettes Tarot-Deck besteht aus 78 Karten, unterteilt in zwei Hauptgruppen, bekannt als die Arkana (lateinisch: arcana = Geheimnisse).

Die Große Arkana (Major Arcana)

Die 22 Trümpfe (von 0: Der Narr bis XXI: Die Welt) stellen die spirituelle Reise des Menschen dar – oft als die „Reise des Narren“ bezeichnet.

Sie behandeln die wichtigsten Lebenslektionen, universelle Gesetze und fundamentale psychologische Zustände. Wenn sie in einer Legung erscheinen, weisen sie auf große, langfristige Einflüsse oder schicksalhafte Ereignisse hin.

Karte (Beispiel)Bedeutung
0. Der NarrNeubeginn, Unschuld, Sprung ins Unbekannte
III. Die HerrscherinFruchtbarkeit, Fülle, Natur, Weiblichkeit
XIII. Der TodTransformation, Ende eines Zyklus, tiefgreifender Wandel
XIX. Die SonneErfolg, Freude, Vitalität, Klarheit

Die Kleine Arkana (Minor Arcana)

Die 56 Karten der Kleinen Arkana beschäftigen sich mit den alltäglichen Situationen, Herausforderungen und Beziehungen des Lebens. Sie sind in vier Farben unterteilt, die mit den vier Elementen und Lebensbereichen korrespondieren:

Farbe (Symbol)ElementLebensbereich
Stäbe (Wands)Feuer 🔥Leidenschaft, Kreativität, Karriere, Wille
Kelche (Cups)Wasser 💧Emotionen, Beziehungen, Intuition, Liebe
Schwerter (Swords)Luft 🌬️Intellekt, Konflikt, Wahrheit, Herausforderungen
Münzen/Scheiben (Pentacles/Disks)Erde ⛰️Materielles, Finanzen, Sicherheit, Körper

Jede Farbe besteht aus zehn Zahlenkarten (Ass bis Zehn) und vier Hofkarten (Bube, Ritter, Königin, König), die unterschiedliche Grade oder Persönlichkeiten innerhalb des jeweiligen Bereichs darstellen.


4. Die Macht der Symbolik

Die wahre Tiefe des Tarot liegt in seiner reichen Symbolik. Jede Zeichnung ist ein Konzentrat von Jahrhunderten spiritueller, mythologischer und numerologischer Bedeutung.

Numerologie und die Reise des Narren

Die numerische Reihenfolge der Großen Arkana ist entscheidend. Zahlen symbolisieren bestimmte Phasen:

  • Einsen (Asse) und Zweien: Potenzial und Dualität.
  • Dreien: Wachstum und Verwirklichung.
  • Siebenen: Prüfung und introspektive Herausforderung.
  • Zehen: Abschluss eines Zyklus.

Archetypen und das Unbewusste

Die Figuren im Tarot sind Archetypen im Sinne des Psychologen Carl Jung. Sie verkörpern universelle psychologische Muster, die tief im kollektiven Unbewussten verwurzelt sind:

  • Der Eremit (IX): Der innere Weise, der nach Wahrheit sucht.
  • Die Hohepriesterin (II): Die Hüterin verborgenen Wissens und der weiblichen Intuition.
  • Der Teufel (XV): Die Verkörperung von Bindung, Materialismus und Schattenarbeit.

Beim Lesen des Tarot geht es nicht nur darum, die Zukunft vorherzusagen, sondern darum, diese Archetypen in unserem eigenen Leben zu erkennen und zu verstehen, welche Kräfte gerade am Wirken sind.


Fazit: Das Tarot als Spiegel

Von den opulenten italienischen Salons bis zu den modernen esoterischen Zirkeln hat das Tarot einen bemerkenswerten Weg zurückgelegt. Es beweist, dass Bilder und Symbole eine zeitlose und universelle Sprache sprechen.

Ob Sie das Tarot als Werkzeug zur Selbstreflexion, als historische Kuriosität oder als Medium der Weissagung betrachten: Es dient immer als Spiegel. Es reflektiert unser Innerstes und beleuchtet die Pfade, die wir gehen müssen, um Erfüllung und Weisheit zu finden.

Welcher Archetyp des Tarot spricht Sie heute am meisten an?

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